Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig hat sich nach fast 24 Jahren als Stadtdirektor vom Rat verabschiedet. Seine letzte Ratssitzung am Montag war laut Mitteilung der Stadt „ausgerechnet“ die Sondersitzung zur Neuordnung des Verwaltungsvorstandes und damit auch von Slawigs Nachfolge. Slawig ist noch bis Ende Oktober im Amt bevor er in den Ruhestand wechselt.
Ab November wird der bisherige Sozialdezernent Stefan Kühn „für eine Interimszeit“ zusätzlich zu seinem bisherigen Geschäftsbereich Soziales, Jugend, Schule und Integration die Aufgaben des Kämmerers und Personaldezernenten übernehmen. Vor diesen zusätzlichen Aufgaben habe er in der „Nachfolge eines großartigen Stadtdirektors Riesen-Respekt“, sagte Kühn nach dem Ratsbeschluss.
Wie lange seine „Interimszeit“ als Kämmerer dauern werde, könne die Stadt derzeit noch nicht seriös abschätzen, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage von DNK. Eine Findungskommission werde sich mit der Besetzung der Kämmererstelle beschäftigen.
Kämmerer als Vermittler zwischen Rat und Verwaltung
Stadtdirektor Slawig bedankte sich bei seiner letzten Ratssitzung bei den Mitgliedern mit dem Hinweis, dass seine Amtszeit auch 1998 mit einer Ratssitzung begonnen habe. „Dieser Rahmen macht die lange und enge Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten deutlich, die eine wichtige Konstante meiner Arbeit war. Manches Mal habe ich es dem Rat sicher auch nicht leichtgemacht“, sagte Slawig laut Mitteilung. Dies sei aber immer der Sache geschuldet gewesen. Die Vermittlung zwischen Verwaltung und Politik mit ihrer jeweils ganz eigenen Logik habe ihm große Freude gemacht. „Ich werde mich weiterhin für das interessieren, was Sie machen, aber mich nicht einmischen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Die Stadt ist in Not. Sie hat kluge Entscheidungen verdient.“
Oberbürgermeister Uwe Schneidewind würdigte Slawig als einen „herausragenden Kämmerer und Stadtdirektor“, der in 24 Jahren nicht nur konsequenter Sanierer der Stadtfinanzen gewesen sei, sondern dabei auch die Zukunftsaufgaben und Schlüsselprojekte zur Weiterentwicklung Wuppertals immer im Blick gehabt habe. Zu seiner Bilanz gehörten unter anderem 500 Millionen Euro Schuldenabbau in einem „extrem schwierigen Konsolidierungsprozess“. Er sei auch „zentraler Motor“ des Bündnisses „Für die Würde unserer Städte“ gewesen.
Slawig selbst hätte gerne noch länger als Kämmerer der Stadt Wuppertal gearbeitet, konnte sich aber nicht erneut zur Wahl stellen. Ein erneutes Hinausschieben des Ruhestandes und eine Wiederwahl sind laut Prüfungsergebnis der Kommunalaufsicht unzulässig – DNK berichtete.
Info
Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.