Als am Dienstag der vergangenen Woche der 1. FC Kaiserslautern den 1. FC Köln im heimischen Fritz-Walter-Stadion mit 3:2 besiegte, jubelten nicht nur die Fußballfans. Auch Kaiserslauterer Stadtpolitiker hegten ein mehr als nur sportliches Interesse am Ausgang der Partie. Denn mit dem Sieg gegen die in der Ersten Liga höherklassiger spielenden Kölner erreicht der Zweitligaverein FCK das Achtelfinale des DFB-Pokals, das am 5. und 6. Dezember ausgetragen wird. Und für die Stadtkasse bedeutet der Spielausgang eine Entlastung um einen sechsstelligen Eurobetrag. Aufgrund einer mit dem Pokalerfolg verbundenen Zusatzpacht für die Stadionnutzung durch den FCK reduziert sich nämlich das jährliche Defizit, das die kommunale Stadiongesellschaft schreibt. Allerdings: Wie hoch diese zusätzliche Stadionpacht tatsächlich ist, teilen Stadt, Stadiongesellschaft und Verein auf mehrfache Nachfrage nicht mit.
Erfolg im DFB-Pokal: FCK zahlt Zusatzpacht
Hintergrund ist eine im Stadtrat beschlossene Vereinbarung aus dem Jahr 2020. Damals rangen Stadt und Verein, der sich zu diesem Zeitpunkt in der Dritten Liga befand, in langen und intensiven Sitzungen um die Höhe der Stadionmiete. Die liegt eigentlich bei 3,2 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe benötigt die Stadiongesellschaft, um ihre eigenen Verpflichtungen zu bedienen. Festgelegt wurde die ursprüngliche Pachthöhe jedoch, als der FCK noch in der Bundesliga spielte. Seit dem Abstieg in niederere Klassen, mit dem auch geringere Einnahmen verbunden sind, kann sich der Klub diese Miete aber nicht mehr leisten. Daher war deren Höhe immer wieder Gegenstand von Verhandlungen. Meist gingen die politisch umstrittenen Pachtreduzierungen zulasten des Haushalts der ohnehin hochverschuldeten Stadt: Um ihre Stadiongesellschaft und damit auch den Verein zu stützen, glich die Kommune die Differenz zur ursprünglichen Stadionpacht immer wieder aus.
Die Vereinbarung von 2020, deren Gültigkeit 2022 bis zum Ende der aktuellen Spielzeit 2023/24 verlängert wurde, schreibt bei Verbleib des FCK in der Zweiten Bundesliga die Stadionpacht mit 2,4 Millionen Euro fest. Das bedeutet folglich eine Belastung des städtischen Haushalts in Höhe der Differenz von 800.000 Euro. Jedoch beinhaltet die Vereinbarung diverse Zusatzpachten: Die werden unter anderem dann fällig, wenn der Verein – wie jetzt – im DFB-Pokal erfolgreich ist und dadurch zusätzliche Erlöse generiert.
Stadiongesellschaft erhält 40-prozentige Erlösbeteiligung
So besagt eine bereits 2014 gefasste Regel im Pachtvertrag, dass der FCK zusätzlich 100.000 Euro an die Stadiongesellschaft zahlt, sollte er das Achtelfinale erreichen. Sollte er mindestens das Viertelfinale erreichen, erhöht sich diese Zusatzzahlung auf 250.000 Euro. Bei Erreichen des Finals sind 500.000 Euro fällig. Die ergänzende Vereinbarung zum Pachtvertrag von 2020 geht darüber hinaus und räumt der städtischen Stadiongesellschaft außerdem eine Erlösbeteiligung an den Spielen ein. Erreicht der FCK die zweite Pokalrunde, erhält die Stadiongesellschaft demnach eine 40-prozentige Erlösbeteiligung. Kommt er ins Achtelfinale, gilt dies ebenfalls.
Bereits das mit rund 50.000 Zuschauern ausverkaufte und im öffentlich-rechtlichen TV übertragene Spiel in der zweiten Pokalrunde gegen Köln vom 31. Oktober kommt also der Stadtkasse zugute. Als die Pachtreduzierung 2020 im Stadtrat beschlossen wurde, war im Zusammenhang mit der prozentualen Beteiligung von konkreten Summen die Rede. 140.000 Euro sollte die 40-prozentige Erlösbeteiligung in der zweiten Pokalrunde ausmachen, 274.000 Euro dann im Achtelfinale. Dies ergibt zusammen 414.000 Euro. Mit den 2014 ohnehin vertraglich fixierten 100.000 Euro kann die Stadt, wenn der FCK das Achtelfinale erreicht, also eine Zusatzpacht in Höhe von 514.000 Euro erwarten. Dies würde den Betrag, der die Stadtkasse belastet, deutlich reduzieren.
Stadionpacht: Stadiongesellschaft nennt „keine Details“
Darüber, wie hoch die prozentuale Beteiligung nun konkret ausfällt und aus welchen Kennzahlen sie sich errechnet, hüllen sich die Parteien allerdings in Schweigen. Sogar die Stadt und ihre Stadiongesellschaft wollen trotz mehrfacher Nachfrage zu diesem in öffentlichen Sitzungen des Lokalparlaments besprochenen Sachverhalt und seinen Effekten auf den kommunalen Haushalt „keine Details“ nennen. Dabei ist Transparenz geboten. Denn die Kaiserslauterer Lokalpolitik steht ohnehin vor einer weiteren Diskussion um die Pachthöhe mithilfe öffentlicher Mittel: Turnusgemäß beginnt in diesen Tagen hinsichtlich der nächsten Fußballsaison das Feilschen darum. In den Wintermonaten ist mit der politischen Debatte im Stadtrat zu rechnen. Dabei dürfte es auch eine Rolle spielen, welche realistische Perspektive der FCK auf sportlichen Erfolg im DFB-Pokal hat und was dies finanziell für die Stadt Kaiserslautern bedeuten kann.
Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Er arbeitet insbesondere an der Weiterentwicklung der Plattform #stadtvonmorgen und berichtet dabei vorwiegend über urbane Transformationsprozesse. Für die Redaktion von „Der Neue Kämmerer“ beleuchtet er diese Themen aus Perspektive der Kommunalfinanzen. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.